Slide background

Himmel über der Vulkaneifel – von Jaques Berndorf

Alexander von Humboldt, der wahrscheinlich berühmteste deutsche Gelehrte dieses Planeten, der sich die Maare und Vulkane der Eifel genau anschaute und Kluges kommentierte, sagte einmal: »Die gefährlichste Weltanschauung der Menschen auf dieser Erde ist die derjenigen, die sich diese Welt gar nicht angeschaut haben.« Ehrlich gestanden erinnert mich dieses Bild an einen Menschen, der sich der Keuschheit verschrieben hat und gleichzeitig unermüdlich jungen Paaren gute Ratschläge geben will, wie man eine Ehe am erfolgreichsten führt. Also: Schauen wir genau hin und betrachten die Eifel aus der Vogelperspektive!


Das Fluggerät, von dem aus die brillanten Aufnahmen dieses Buches geschossen wurden, nannte man einst den »Witwenmacher«, weil einige davon vermutlich in Garagen gebastelt worden waren und anschließend anscheinend haltlos vom Himmel fielen. Es handelt sich um einen Gyrokopter, einen so genannten Tragschrauber, und damit um ein Gerät, das im Auge des Skeptikers zerbrechlich aussieht wie ein Billigmofa, einen schmalen Sitz für zwei Personen hintereinander und so wenig an Masse und solider Abschirmung zu bieten hat, dass ängstliche Naturen es für unmöglich halten, dass dieses Ding auch noch schnell fliegen kann. Und: Es kann auch sehr langsam fliegen. Nur ausgestattet mit einem im Heck befindlichen kleinen Motor und getragen von einem Rotor, der über keinen Antrieb verfügt, sondern sich automatisch dreht, weil ihm gar nichts anderes übrig bleibt. Einer der beiden Fotografen dieses Bandes betont mit kindlicher Begeisterung: »Der Gyro gleitet!« Er gibt aber gleichzeitig zu, dass die einzige Realität, an der er sich in tausend Metern Höhe festhalten konnte, sein Kaugummi war. Bleibt Wichtiges hinzuzufügen: »Unser Gyro« war und ist ein ganz besonderer: Er wurde und wird geflogen von unserem Landrat Heinz Onnertz, der sich ganz offensichtlich auf diese Weise von den menschlichen Fesseln gemeiner Politik in der Vulkaneifel zumindest für Stunden befreien kann, sich sozusagen ein himmlisches Vergnügen verschafft, um lächeln zu können über diese aus tausend Metern Höhe kaum mehr sichtbaren Winzlinge da unten in den grünen Wäldern und auf ihren Kirchtürmen.


Google-Earth brachte die Welt vor vielen Jahren zuerst in die Wohnzimmer: Du kannst dich einer Stadt aus dem Himmel von oben nähern, dich reinzoomen in ihre Plätze und Straßen, dich konzentrieren auf eine einzige Trasse, ein Haus, möglicherweise Papas uraltes Auto oder Tante Gretes trocknende Wäsche im Jahr 1998. Auf den ersten Blick ist das großartig. Für mich ist dieser globale Blick auch beängstigend, für mich sind das nicht unbedingt das umfassende Heil und der Fortschritt der Globalisierung. Für mich ist das auch das erschreckende Begreifen und Sehen, wie sehr wir diese Erde schon verändert haben, wie brutal die Wunden sind, die der Bau einer neuen Autobahn in unseren Wald schlägt, wie unendlich hoffnungslos riesige Löcher wirken, die wir mit dem Abbau unserer vulkanischen Gesteine und Erden duldeten. Ja, der Blick von oben ist ungemein wichtig, kann uns hellsichtig machen für das, was wir unter allen Umständen erhalten sollten: unsere Mutter Erde. Wie auch immer: Es ist egal, unter welchem Gesichtspunkt Sie die Bilder in diesem Buch betrachten, eines ist sicher – so haben Sie diese Landschaft noch nie gesehen. Die Geschichte zwischen der Vulkaneifel und mir ist eindeutig eine Liebesgeschichte. Kein Mensch wird von einem seriösen Liebhaber erwarten, dass er stets sachlich und kühl daherkommt. Im Gegenteil: Da ist Leidenschaft gefragt, also bin ich zu grenzenloser Unsachlichkeit fähig, wenn es um meine Eifel geht. Ich liebe dieses Land, und ich liebe die, die hier zu Hause sind. Auch meine Frau stammt aus der Eifel. Und natürlich ist diese kleine Einführung deshalb ein Liebesbrief. Seien Sie herzlich willkommen, diese grandiose Landschaft näher kennenzulernen – in Worten und in Bildern …

Den ganzen Text von Jaques Berndorf gibt es im Buch »Himmel über der Vulkaneifel – Luftbildband« der hier bestellt werden kann.

Blick ins Buch:


Buch Eifel Bildband

Fotografie: Sven Nieder & Karl Johaentges
Text: Jaques Berndorf
Gestaltung: Björn Pollmeyer
Gebundene Ausgabe, 144 Seiten
über 130 großformatige Fotografien
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3981411300