Die Votivkapelle bei Steffeln

Anfang März ziehen amerikanische Truppen vom Westen her hinein in die Orte der Vulkaneifel. Nicht wenigen Menschen dieser Tage ist bewusst, was andernorts deutsche Truppen hinterließen, was Krieg bedeutet, wenn er das eigene Zuhause erreicht, was Kindern und Müttern zu widerfahren droht. Angesichts dessen ist es die Hoffnung, die erstarkt, weitgehend verschont zu bleiben, mit Leib und Leben davonzukommen und die Chance zu erhalten, die eigenen Kinder unbeschadet aufwachsen zu sehen. Mit Blick auf die drohende Katastrophe widmen sich Menschen in Steffeln mit ihrem Pfarrer dem Gebet und geloben, eine Kapelle zu errichten, sollte ihre Hoffnung erfüllt werden.

Nicht unserer Hoffnungen werden wir uns einstmals zu schämen haben, sondern unserer ärmlichen und ängstlichen Hoffnungslosigkeit,
die Gott nichts zutraut, die in falscher Demut nicht zugreift,
wo Gottes Verheißungen gegeben sind

Dietrich Bonhoeffer: Werke Band 13, 1933-35

Währenddessen nährt andere Menschen noch der Glaube an die vermeintlichen Verheißungen des Tausendjährigen Reichs. Offensichtlich erfahren die Steffelner die Einnahme ihres Ortes von amerikanischen Truppen anders, als in ihren schlimmsten Träumen und Befürchtungen. Denn bereits 1946 beginnt man mit dem Bau der Kapelle auf der Anhöhe Wahlhausen und erfüllt das Gelübde. Weithin sichtbar ist der ovale Bau seither in der gesamten Umgebung. Als Ort der Hoffnung wird er von nun an genutzt. Zahlreiche Votivtafeln zeugen von den Sorgen und Nöten der Menschen und ihrer Erfahrung, dass ihre Gebete erhört wurden.

Heiligenhäuschen / Kapellchen in der Eifel

Heiligenhäuschen sind erstaunlich lebendige Orte der Eifel – mit einem Fenster in die Vergangenheit. Wer zu ihnen kommt, findet sie fast immer mit frischen Blumen und Zweigen geschmückt. Und unermündlich brennen in ihnen kürzlich entzündete Kerzen und Lichtlein. Viele dieser Häuschen wurden erst in den letzten Jahrzehnten errichtet. Andere haben eine jahrhundertealte Geschichte. Oft stehen sie zwischen Bäumen wie Linden, Eichen, Birken oder Ahorn.
Die Heiligenhäuschen geben meist Zeugnis von der Erfüllung eines Gelübdes. Etwas Gutes ist geschehen, für das innig gebetet, und das von tiefstem Herzen erhofft wurde. Die kleinen Häuschen bieten Raum für ein, zwei – manchmal bis zu vier Personen und dienen der stillen Andacht, der inneren Einkehr, dem persönlichen Dialog mit Gott. Sie sind Orte der Selbstbegegnung – mit den eigenen Sorgen, Hoffnungen, Ängsten und Wünschen. Womöglich sind sie auch Orte des Haderns mit Gott und der Welt und höchstwahrscheinlich auch Orte des Trostes. Oftmals sind kleine Tafeln des Dankes angebracht. Sie zeugen von Glück und geben dem Nächsten Hoffnung.

Die Fotografie und der Text entstammen dem Eifelkalender „Heiligenhäuschen in der Vulkaneifel 2018“ der Kreissparkasse Vulkaneifel.

Fotografie: © Sven Nieder | Text © Dr. Tim Becker